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In den Medien

Ich bin selten allein unterwegs

24.02.2010, Zürcher Unterländer

Der 42-jährige Lebenskünstler Beat Schellenberg pendelt seit 16 Jahren zwischen Steinmaur und Eibenschütz in Tschechien. Verschiedene Mitfahrer verkürzen ihm jeweils die lange Fahrt.

Es sind noch knapp zwei Stunden bis zur Abfahrt. Im letzten Moment kommt eine Anfrage für eine Mitfahrt von Tschechien in die Schweiz. Den jungen Mann lädt Beat Schellenberg an der Grenze ein. Kaum unterwegs, eröffnet ihm dieser, dass in Wien ein Kumpel zusteigen möchte. Also Kurve nach Wien. Kurz darauf ruft die Ehefrau aufs Handy an: "Am Bahnhof von St. Pölten wartet eine 19-jährige Frau, die ebenfalls mitfahren möchte. Kennzeichen: gelbe Jacke." Tatsächlich stehen dort die Frau in besagter Jacke wie auch der Wiener Kumpel, der kurzerhand ebenfalls nach St. Pölten bestellt worden ist.

Seit 16 Jahren pendelt der 42-jährige Beat Schellenberg zwischen Steinmaur und Tschechien hin und her. Immer wieder nimmt er auf diesen Fahrten Fremde mit, die eine günstige Mitfahrgelegenheit suchen. Manchmal ist das Auto voll. So landet auch Gepäck auf den Knien statt im Kofferraum. Ob Schmuggelware drin ist, kann Schellenberg nicht prüfen.

Pendeln nicht zum Spass

"Eine feste berufliche Anstellung habe ich weder in der Schweiz noch in Tschechien", erklärt Schellenberg, der sich selbst als Lebenskünstler bezeichnet. "Ich komme aber mit Kurzzeitjobs ganz gut über die Runden. Und in Tschechien lässt es sich mit wenig Franken besser leben als hier." Jeweils drei bis fünf Wochen hält er sich in einem der beiden Länder auf. In Steinmaur kümmert er sich abwechselnd mit seiner Schwester um die pflegebedürftige Mutter und kehrt dann wieder zu seiner Frau, einer Tschechin, und seiner Tochter nach Eibenschütz, südlich von Brünn, zurück. Schellenberg offeriert seine freien Autositze im Internet. Sein Bruder oder seine Frau in Tschechien richten ihm jeweils seine Annoncen ein. Doch auch Schellenberg akzeptiert nicht jeden Mitfahrer: "Raucher oder Tiere als Passagiere nehme ich nicht mit. Falls wir uns im Musikgeschmack nicht einigen können, stelle ich die Musikanlage ab." Auf seinen neunstündigen Fahrten hat der Steinmaurer viele Überraschungen erlebt. Seit ein Mitfahrer sich beim Aussteigen am Ziel davonmachen wollte, ohne den vereinbarten Reisebeitrag zu bezahlen, verlangt er deshalb das Geld vor der Abfahrt. Auch abgelaufene Pässe der Mitfahrer führten schon zu Unannehmlichkeiten an der Grenze. Seine Lehre daraus: Immer die Pässe vor der Abreise kontrollieren.

Offene Busse bei der Polizei

"Ein bisschen mulmig wurde mir schon", erzählt Schellenberg, "als kurz vor der Grenze ein tschechischer Mitfahrer beichtete, es könne bei der Passkontrolle Schwierigkeiten geben. Er habe nämlich bei der Polizei wegen einer Verkehrsübertretung noch eine Bussenrechnung offen." Probleme gabs dann glücklicherweise nicht. Wird doch der Schweizer mit tschechischer Autonummer zumindest bei der Ausreise aus Tschechien von den Zollbeamten meist durchgewunken. "Dass ich auch tschechisch spreche, ist in brenzligen Situationen bestimmt von Vorteil."

Die Mitfahrer nicht im Blick

"Natürlich bin ich mir bewusst, dass das Fahren mit wildfremden Menschen auch mal kritisch oder gefährlich werden könnte", sagt er, "schliesslich kenne ich sie nur oberflächlich vom Telefonkontakt." Aber trotzdem fahre er selten allein. "Während der langen Nachtfahrt ist es mir kaum möglich, meine Mitfahrer im Auge zu behalten. Der Blick ist ja auf die Strasse konzentriert. So weiss ich nie, ob meine schweigenden Passagiere im Fonds nun schlafen, vielleicht etwas Böses im Schilde führen oder mit etwas ganz anderem beschäftigt sind."

Gesunder Menschenverstand und Vorsicht haben Schellenberg vor kriminellen Vorfällen bewahrt, sagt er von sich. Die positiven Erlebnisse mit seinen Fahrgästen überwiegen für ihn. "Ja, es kommt immer wieder vor, dass sich lockere Freundschaften ergeben, und sei es auch nur für die Zeit einer neunstündigen Nachtfahrt. Treue Kunden gibt es immer wieder", bestätigt Beat Schellenberg.

Einfacher trampen

Leute, die eine Mitfahrgelegenheit suchen, oder Autofahrer, die freie Sitzplätze anzubieten haben, treffen sich auf www.mitfahrzentrale.de oder www.mitfahrgelegenheit.ch. Vorteil: Die Tramper können ihre Trips planen. Reiseziel, Abfahrtszeit, Kosten, Gepäckvolumen und Angaben zu gewünschten Passagieren und Fahrern sind im Voraus klar.

Fritz Maag

zum Originalartikel

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